Einblick in die Lieferkette von Textilien
Weltladen-Dachverband: Unabhängig von Corona: Wie stellt ihr sicher, dass Menschenrechte entlang eurer Lieferketten eingehalten werden und Umweltschutz gewährleistet wird? Wie überprüft ihr das?
Katharina Ladleif: Wir sind der Meinung, dass es für ein einzelnes Unternehmen nicht möglich ist alle Schritte vom Baumwollanbau bis hin zur Konfektionierung der fertigen Textilien zu überprüfen. Genau deshalb braucht es ein Lieferkettengesetz.
Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Fairtrade- und Bio-zertifizierte Baumwolle, die für unsere Textilien verwendet wird, wächst in Kooperativen mit bis zu 30.000 Farmern. Wie sollen wir da kontrollieren, dass in Indien bei jedem Baumwollbauern Menschenrechte eingehalten und ökologische Anbaupraktiken angewendet werden?
Unserer Meinung nach ist das nur mit Umwelt- und Sozialstandards möglich, die mit unabhängigen Auditoren vor Ort zusammenarbeiten. Wir haben uns bewusst für eine Doppelzertifizierung entschieden. Der GOTS deckt sehr umfassend ökologische Kriterien entlang der gesamten Lieferkette ab. Während der Fairtrade Cotton Standard einen besonderen Fokus auf die Baumwollbauern setzt und soziale Kriterien entlang der gesamten Lieferkette abdeckt.
Natürlich verlassen wir uns nicht allein auf diese Standards, sondern wählen unsere Partnerbetriebe nach strengen Nachhaltigkeitskriterien persönlich aus und bauen langfristige, enge Partnerschaften auf.
In dem Firmeneigenen Podcast „Step into the future“ gibt MELAWEAR tiefere Einblicke in seine Lieferkette (Episode #4), sowie den GOTS (#5) und Fairtrade Cotton Standard (#6). Außerdem erzählt der Textilproduzent Amit Narke in Episode 19 aus erster Hand, was ihn persönlich antreibt und wie er versucht den Arbeitsplatz seiner Näher*innen immer weiter zu verbessern. Hört direkt rein: www.melawear.de/ueber-uns/podcast.
Aktuell werden Unternehmen, die wie MELAWEAR bereits nachhaltig produzieren, ökonomisch bestraft.
Weltladen-Dachverband: Warum sprecht ihr euch für ein Lieferkettengesetz mit klaren Haftungsregeln aus, dass alle Unternehmen in die Pflicht nimmt?
Katharina Ladleif: Aktuell werden Unternehmen, die wie MELAWEAR bereits nachhaltig produzieren, ökonomisch bestraft. In dem wir wesentlich höhere Ausgaben für unsere Produkte haben, viel Geld in Zertifizierungen und Forschung stecken und weil wir Menschen in der Lieferkette nicht ausbeuten, sondern fair bezahlen. Während viele konventionelle Unternehmen ihre Produktionskosten auf Menschen und Umwelt auslagern. Genau deshalb muss es endlich einen rechtlichen Rahmen geben, der Firmen für ihr Handeln in die Verantwortung nimmt.
Weltladen-Dachverband: Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf eure Lieferkette?
Katharina Ladleif: Unsere Produzenten sind aktuell im Lockdown, der in Indien sehr streng ist und schon seit mehreren Wochen andauert. Das heißt die Fabriken stehen still und die Leute bleiben strikt Zuhause. Das hat natürlich Auswirkungen auf unsere Lieferkette, es kommt zu Verzögerungen der Produktion und die Produzenten haben zum Teil Probleme bei der Beschaffung von Materialien.
Wir haben uns bewusst dazu entschlossen, auch trotz des Lockdowns, die Anzahlung für unsere laufende Produktion zu verrichten und unseren Produzenten so bei der Zahlung von Löhnen und anderen laufenden Kosten zu unterstützen.
Weltladen-Dachverband: Wie geht es euren Handelspartnern in der aktuellen Situation?
Katharina Ladleif: Von unserem Textilproduzenten Purecotz wissen wir, dass sie aktuell noch gute Orders vorliegen haben und darauf hoffen, dass alle Brands, die bei ihnen produzieren nur minimal Aufträge kürzen und sie dann in der Zeit nach dem Lockdown endlich weiter produzieren können. Aber natürlich trifft die Corona-Krise Purecotz trotzdem sehr hart, da es in Indien keine Programme wie Kurzarbeit gibt und es schwierig ist fast 1000 Mitarbeiter weiter zu bezahlen, wenn nicht gearbeitet und kein Geld von ausländischen Firmen verdient wird.
Jedoch hat Purecotz nach Ausbruch der Krise sehr schnell reagiert und mit einem kleinen Team von Näher*innen angefangen Masken aus Reststoffen zu nähen. Bisher konnten sie so fast 15.000 Menschen aus der Umgebung kostenlos mit Masken versorgen. Bald möchte Purecotz diese einfachen Biobaumwoll-Gesichtsmasken über amazon in ganz Indien verkaufen. Auch für uns ist eine Produktion an Mund- und Gesichtsmasken geplant.
Weltladen-Dachverband:Wie unterstützt ihr eure Partner aktuell?
Katharina Ladleif: Wir haben uns bewusst dazu entschlossen, auch trotz des Lockdowns, die Anzahlung für unsere laufende Produktion zu verrichten und unseren Produzenten Purecotz so bei der Zahlung von Löhnen und anderen laufenden Kosten zu unterstützen. Dies ist aber leider auch unter nachhaltigen Brands keine Selbstverständlichkeit. So waren wir die ersten, die während des Lockdowns die Ware angezahlt haben.
Außerdem haben wir bewusst alle unsere Orders weiter aufrecht gehalten und uns entschlossen auch die Kollektion für Herbst/Winter in vollem Umfang zu erhalten. Vermutlich 4-5 Wochen verspätet im September, was jedoch dem Wetter und der Saison eh viel besser entspricht und den Handel entlastet.
Über MELAWEAR
„Mela“ bedeutet auf Hindi „gemeinsam Handeln“ und steht für ein Fest, bei dem sich Menschen begegnen und zusammenkommen. Durch ihre Handlungen baut die mela wear GmbH Brücken zwischen Kontinenten, Kund*innen und Produzent*innen und setzt ein gemeinsames Handeln für eine bessere Zukunft ins Zentrum der Unternehmensphilosophie. MELAWEAR produziert minimalistische Rucksäcke, moderne Sneaker und hat eine zeitlose Textilkollektion. Das gesamte Sortiment ist mit dem Fairtrade Cotton Standard und dem Global Organic Textile Standard (GOTS) zertifiziert.
Entgegen dem Fast-Fashion Trend bleiben alle Produkte über längere Zeit im Sortiment und schaffen so einen Gegenentwurf zum schnellen Tempo der Modebranche.